Interview

2025 ist eine neue Welt: Sie dreht sich schneller – Interview mit Mario Lochner, Finanzexperte und Bestsellerautor

ideas: Herr Lochner, Sie haben über 225.000 YouTube-Abonnenten, mehr als 80.000 Follower auf Instagram und mehr als 280.000 auf TikTok. Dazu zwei Spiegel-Bestseller – alles zum Thema Finanzen. Woher, denken Sie, kommt dieses massive Interesse?
Mario Lochner: Aus meiner Sicht verstehen immer mehr Menschen, dass sie sich auf die staatliche Rente nicht mehr blind verlassen können. Zudem hat Social Media in den vergangenen Jahren viel aufgeklärt und klassische Sparformen wie das Sparbuch infrage gestellt. Aktien sind mehr Mainstream geworden und gerade bei jungen Leuten beliebter. Dabei haben auch die Neobroker geholfen und den Zugang erleichtert. Dann noch das Comeback der Inflation: Viele Menschen suchen nach Lösungen, wollen ihr Geld selbst in die Hand nehmen und die Ambitionierten wollen nicht bis 67 arbeiten, sondern mehr vom Leben haben.

So eine Reichweite bekommt man sicherlich nicht über Nacht. Können Sie uns einmal mit an die Anfänge nehmen? Wie sind Sie zum Thema Finanzen gekommen und was hat Sie dazu bewogen, Ihr Wissen auf Social Media zu teilen?
Mittlerweile dauert meine Reise auf Social Media schon zehn Jahre. Angefangen hatte ich wie so viele auf Instagram mit sinnlosen Bildern. Damals war es eine andere Welt und Finanzen fanden nur auf wenigen Kanälen auf YouTube statt. Ich war damals schon einige Jahre als Finanzjournalist aktiv und wollte unbedingt die sozialen Medien nutzen, um das Thema nach vorne zu bringen. Denn Börse begeisterte mich bereits als Teenie und ich kaufte meine erste Aktie (Allianz) mit 16 Jahren. Aus der Redaktion von Focus Money heraus entstand dann 2016 das YouTube-Projekt »Mission Money«. Seit drei Jahren führe ich mittlerweile als Unternehmer meinen eigenen Kanal, und wir haben mit unserer Investmentplattform »Beating Bet« eine Heimat für Privatanleger geschaffen, die wir früher selbst gerne gehabt hätten. Die Mission ist immer dieselbe geblieben: Menschen dabei helfen, mehr aus ihrem Geld zu machen.

Ein Problem im Bereich Social Media ist sicherlich die fehlende Regulierung, mit der Folge, dass es auch viele »schwarze Schafe« gibt. Worauf sollten gerade Neulinge auf dem Gebiet achten, um hier schlechte Erfahrungen zu vermeiden?
Es gibt Warnsignale, auf die besonders Neulinge achten sollten. Wer macht die dicksten Versprechen? Wer hat immer recht? Wer hat keinen Kompetenzkreis? Und wer keinen Track Record? Der Track Record ist aus meiner Sicht alles! Ein Influencer oder Experte sollte eine Laufbahn und Erfahrung vorzuweisen haben. Wenn jemand aus dem Nichts kommt, dann wäre ich misstrauisch. Vorsicht auch, wenn jemand nur über Kurzvideos kommuniziert. Da lässt sich viel abkupfern. Wenn »Experten« zudem über alles reden, was Reichweite bringt und keinen Kompetenzkreis haben, dann sollte man auch kritisch hinschauen. Genauso wie bei Gurus, die die dicksten Versprechen machen und immer recht haben und alles vorher wussten. Auch Experten liegen regelmäßig falsch und machen keinen Hehl daraus.

Auf Ihrem YouTube-Kanal interviewen Sie regelmäßig Persönlichkeiten aus dem Wirtschafts-/Finanzbereich. Gibt es jemanden, der Ihnen dabei besonders in Erinnerung geblieben ist?
Die schillerndste Person ist Florian Homm. Als wir ihn damals zum Interview getroffen haben, 2017, fühlte sich das an wie in einem Hollywood-Streifen. Inhaltlich und vom Mindset liebe ich Ken Fisher und meine Favoriten sind Andreas Beck, Gerd Kommer und Mojmir Hlinka. Einen Aha-Moment gibt es in den Gesprächen immer.

Wir haben bereits über Ihre große Followerzahl gesprochen, aber wem folgen Sie?
Ich folge meinem Netzwerk, also jenen Experten, die ich regelmäßig interviewe, und führe Hintergrundgespräche. Dann natürlich meinen Quellen des Vertrauens wie Bloomberg, Wall Street Journal und Co. Aber ich schätze vor allem X (ehemals Twitter) als Informationsquelle: Es gibt viele hochwertige Finanzexperten wie Ryan Derrick, Charlie Bilello oder Andreas Steno Larsen.

Nachdem Sie sich tagtäglich mit den Aktienmärkten beschäftigen – wie ist Ihre Einschätzung für die kommenden Monate? Welche Märkte oder Branchen sind auf Ihrer Favoritenliste?
2025 ist eine neue Welt: Sie dreht sich schneller und Anleger sind nervöser. Gefühlt ist 2025 schon mehr passiert als 2024 und die Dauerläufer aus den USA straucheln. Doch die Stimmung ist schlechter als die Lage aus meiner Sicht. Deutschland und Europa haben Aufholpotenzial, vor allem, weil viel Geld in die Hand genommen wird. Wir erleben womöglich einen europäischen »Inflation Reduction Act«. ASML, LVMH bleiben deswegen in meinem Depot, aber auch den Bausektor und Aktien wie Heidelberg Materials und Holcim finde ich spannend. Aber ich sehe noch nicht den großen Einbruch der US-Aktien. Die Bewertung ist teilweise sportlich, aber auch das Wachstum. Und Unternehmen wie Alphabet finde ich attraktiv bei einem Forward-KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) von 18. Auch chinesische Player wie beispielsweise BYD machen gerade viel richtig und die Aktie ist ein Top-Performer in meinem Depot.

Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Anja Schneider.